Positiver Trend 12.02.2024 17:56:39

Rheinmetall- und HENSOLDT-Aktie klar fester: Rüstungsunternehmen können von Aufträgen aus westlichen Staaten profitieren

Rheinmetall- und HENSOLDT-Aktie klar fester: Rüstungsunternehmen können von Aufträgen aus westlichen Staaten profitieren

Sie profitierten weiterhin von der Aussicht auf reichlich Bestellungen westlicher Staaten zur Stärkung der Verteidigungskraft sowie zur Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion. Rheinmetall stiegen im XETRA-Handel um letzltich 2,65 Prozent auf 348,90 Euro, HENSOLDT um 3,64 Prozent auf 31,28 Euro.

Die Rheinmetall-Aktien erklommen damit ein weiteres Rekordhoch - ihr Plus im noch jungen Jahr 2024 steigt damit auf gut 20 Prozent, womit sie nun fast auf den DAX-Spitzenreiter und Softwarekonzern SAP SE fast aufgeschlossen haben. Die HENSOLDT-Papiere bauten das Jahresplus auf 27 Prozent aus und damit auch die Führung im MDAX.

Die Blicke bleiben auf die USA gerichtet, wo die Debatte um weitere US-Militärhilfen für die Ukraine weitergeht. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich nach seinem Gespräch mit US-Präsident Joe Biden in Washington am Freitag (Ortszeit) zuversichtlich gezeigt, dass die US-Militärhilfe für die Ukraine aufrechterhalten werden kann.

Hinzu kommt ein Interview des Rheinmetall-Chefs Armin Papperger im "Handelsblatt", in dem er über den geplanten massiven Ausbau der Produktion von Artilleriegranaten spricht. "Wir sind dabei, unsere Kapazitäten für Pulver, wie es unter anderem für die Treibladungen von Artilleriegeschossen benötigt wird, an einzelnen Standorten zu verdoppeln oder sogar zu verdreifachen", sagte der Manager. Bis zum kommenden Jahr werde Rheinmetall eine ausreichende Menge produzieren können, um Europa versorgen zu können. "Alles in allem wollen wir 2025 bis zu 700.000 Artilleriegeschosse pro Jahr produzieren."

Der 61-Jährige rechnet zudem mit einer Erhöhung des Verteidigungsbudgets nach Auslaufen des Sondervermögens für die Bundeswehr. "Wenn die Summe aufgebraucht ist, dann wird es eine deutliche Erhöhung geben müssen", sagte er. Ohne eine Aufstockung würde es schwer werden, Deutschland verteidigungsfähig zu machen. "Dazu gibt es nur zwei Wege: dass das Verteidigungsbudget substanziell erhöht wird oder dass es noch ein Sondervermögen gibt."

Rheinmetall baut neue Munitionsfabrik in Niedersachsen

Deutschland und seinen Verbündeten benötigen mehr Munition für die eigenen Truppen und die Unterstützung der Ukraine - der Rüstungskonzern Rheinmetall will seine Produktion deshalb deutlich ausweiten. In der Lüneburger Heide soll am bestehenden Standort Unterlüß (Landkreis Celle) eine neue Fabrik für Artilleriemunition entstehen. Bundeskanzler Olaf Scholz setzte am Montag zusammen mit Verteidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD), Firmenchef Armin Papperger und der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen den symbolischen ersten Spatenstich für das Werk, das in nur zwölf Monaten Bauzeit fertiggestellt werden soll. Bereits im kommenden Jahr solle die Produktion anlaufen, kündigte der Rüstungskonzern an.

"Mit der Investition legen Sie die Grundlage dafür, die Bundeswehr und unsere Partner in Europa eigenständig und vor allem dauerhaft mit Artilleriemunition zu versorgen", sagte Scholz in Richtung des Rüstungskonzerns. Das sei gerade mit Blick auf die Ukraine und ihren Munitionsbedarf wichtig. "Wir haben uns bisher beholfen, indem wir sehr viel aus dem Bestand geliefert haben", erklärte der Kanzler. Aber dies sei immer weniger möglich. "Es ist wichtig, dass wir alles dafür tun, die Produktion weltweit zu erhöhen." Das neue Werk von Rheinmetall sei hier ein wichtiges Signal.

Scholz fordert Rüstungsproduktion in Großserie

"Viel zu lange ist Rüstungspolitik in Deutschland so betrieben worden, als ginge es dabei um einen Autokauf", monierte Scholz. "Aber so funktioniert Rüstungsproduktion eben nicht! Wenn über Jahre hinweg nichts bestellt wird, dann wird auch nichts produziert." Umso wichtiger sei es, die Produktion jetzt zügig zu erhöhen. "Wir müssen weg von der Manufaktur - hin zur Großserien-Fertigung von Rüstungsgütern", so Scholz. "Nur so kann nachhaltig geplant und beschafft werden. Nur so erreichen wir unser Ziel, die Bundeswehr wieder zu einer der leistungsfähigsten konventionellen Streitkräfte in Europa zu machen."

Firmenchef Papperger erklärte, mit dem neuen Werk wolle Rheinmetall der Bundeswehr helfen, bei der Munitionsbeschaffung die leeren Lager wieder zu füllen und unabhängig von Lieferungen aus dem Ausland zu werden. "Wir tun dies aus der Verantwortung und dem Willen heraus, mit unseren Technologien maßgeblich zur Verteidigungsfähigkeit unseres Landes und unserer Nato-Partner beizutragen", sagte er. "Dies ist nicht nur für Rheinmetall, sondern auch für die Bundesrepublik Deutschland und Europa von strategischer Bedeutung." Der enorme Munitionsverbrauch der Ukraine verschärfe die Lage noch. Und das sei nicht nur ein deutsches Problem, ergänzte Dänemarks Ministerpräsidentin, die kurzfristig zu dem Termin dazugestoßen war. "Der Krieg in der Ukraine geht uns alle an."

200.000 Granaten pro Jahr geplant

2025 sollen zunächst 50.000 Artilleriegranaten das neue "Werk Niedersachsen" verlassen, 2026 dann 100.000 und später 200.000 pro Jahr. Produziert werden vor allem 155-Millimeter-Artilleriegeschosse, daneben auch Sprengstoff und Komponenten für Raketenartillerie. 300 Millionen Euro will der Konzern in das neue Werk investieren, 500 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Die Investition ist Teil des Plans von Rheinmetall, die Munitionsfertigung deutlich zu erhöhen. Vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine vor fast zwei Jahren habe der Rüstungskonzern in Deutschland, Spanien, Südafrika und Australien insgesamt nur 70.000 Artilleriegeschosse pro Jahr hergestellt, sagte ein Sprecher. Inzwischen seien es 400.000, im kommenden Jahr sollten es 700.000 werden.

Unterlüß ist bereits der größte Produktionsstandort des Rüstungskonzerns, neben Munition werden hier auch Militärfahrzeuge wie der Schützenpanzer Puma hergestellt. Derzeit hat Rheinmetall an dem Standort 2.500 Mitarbeiter. Auch Artilleriemunition wird hier bereits hergestellt, aber in deutlich kleinerem Umfang von 30.000 bis 40.000 Granaten pro Jahr und nur als Endmontage aus angelieferten Teilen.

Bund garantiert Abnahme

Für das neue Werk, das fünf- bis sechsmal so viele Granaten liefern soll, gebe es bereits eine Abnahmegarantie der Bundesregierung, sagte ein Konzernsprecher. "Sonst würde auch niemand eine solche Investition tätigen." Die Baukosten trage Rheinmetall allein. Scholz verwies in seiner Rede auf seine Zusage, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. "Auf diese Zusage können sich die Bundeswehr und die Industrie verlassen."

Proteste gegen geplante neue Rüstungsfabrik von Rheinmetall

Etwa 400 Menschen haben am Montag rund um die geplante neue Munitionsfabrik des Rüstungskonzerns Rheinmetall in Niedersachsen protestiert. Landwirte mit rund 300 Traktoren seien beteiligt, sagte ein Polizeisprecher. Die Demonstranten blockierten Zufahrten zu dem Rüstungskonzern in Unterlüß. Einige Straßenabschnitte seien gesperrt, es gebe Behinderungen, aber: "Man kommt durch den Ort durch", sagte der Sprecher. Die Landwirte demonstrierten nach Angaben des Landvolks Niedersachsen vor allem gegen Kürzungen beim Agrardiesel und gegen die Politik der Ampelregierung in Berlin.

Die Friedensaktion Südheide protestierte außerdem mit einer Mahnwache mit etwa zehn Menschen friedlich gegen "Rüstungs- und Kriegspolitik", wie deren Sprecher sagte: "Wir erwarten von der Regierung, dass sie deeskalierend wirkt."

Zum offiziellen ersten Spatenstich der neuen Munitionsfabrik in Unterlüß werden am Montag Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius (beide SPD) in der Lüneburger Heide erwartet. In dem neuen "Werk Niedersachsen" soll unter anderem Artilleriemunition hergestellt werden. Unterlüß ist der größte Produktionsstandort des Rüstungskonzerns, neben Munition werden dort auch Militärfahrzeuge wie der Schützenpanzer Puma hergestellt.

Rheinmetall traut sich mittelfristig mehr Umsatz zu - Ausbau der Produktion

Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall wird bei seiner mittelfristigen Umsatzerwartung etwas optimistischer. Im Interview mit dem "Handelsblatt" äußerte sich der Vorstandsvorsitzende Armin Papperger am Wochenende mit Blick auf den Ausbau der Produktion zuversichtlich: "In diesem Jahr sollen es bereits zehn Milliarden Euro Umsatz sein, in zwei Jahren soll es in Richtung 15 Milliarden gehen." Vor knapp drei Monaten sah der Konzernlenker den Umsatz im Jahr 2026 noch bei 13 bis 14 Milliarden Euro.

In sieben bis acht Jahren peilt Papperger dann bis zu 20 Milliarden Euro an. Der Umsatzanteil, der auf Deutschland entfällt, dürfte dabei mittelfristig auf über 40 Prozent steigen. Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine habe er bei unter 20 Prozent gelegen. Die dafür nötigen Investitionen könne Rheinmetall aus eigener Kraft stemmen. "Im Augenblick sieht es zudem so aus, dass unser Cashflow sehr gut ist", so Papperger. Das schaffe Spielraum auch für Zukäufe.

Dass Rheinmetall sich mittelfristig mehr Umsatz zutraut, liegt auch am florierenden Munitionsgeschäft - welches der Rüstungskonzern kräftig ausbaut. Am Montag findet der Spatenstich zur Erweiterung des Werkes in Unterlüß statt, zu dem auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eingeladen ist. 2025 will Rheinmetall bis zu 700.000 Artilleriegeschosse pro Jahr herstellen. "Wir werden jetzt fünf bis sieben Jahre Vollgas produzieren in dem Bereich, auch dreischichtig", sagte Papperger. Rheinmetall habe dann eine ausreichende Kapazität, um Europa beliefern zu können.

Außerdem rechnet Papperger mit einer Erhöhung des Verteidigungsbudgets nach Auslaufen des Sondervermögens für die Bundeswehr. "Wenn die Summe aufgebraucht ist, dann wird es eine deutliche Erhöhung geben müssen", sagte er. Ohne eine Aufstockung würde es schwer werden, Deutschland verteidigungsfähig zu machen. "Dazu gibt es nur zwei Wege: dass das Verteidigungsbudget substanziell erhöht wird oder dass es noch ein Sondervermögen gibt."

/tst/DP/men

UNTERLÜSS (dpa-AFX)

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