26.02.2013 12:39:00

Tourismus 1992-2012: Wintermonate gewannen zulasten der Sommermonate

Der heimische Tourismus hat im abgelaufenen Kalenderjahr 2012 neue Rekordwerte verbucht und damit die alten Höchstwerte aus dem Jahr 1992 übertroffen. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich allerdings die Zusammensetzung der Gäste deutlich geändert. Vereinfacht ausgedrückt konnten die Verluste von deutschen Urlauber durch Touristen aus Österreich und Osteuropa kompensiert werden. Gleichzeitig haben die Wintermonate an Bedeutung gewonnen und es ist zu einem kräftigen Aufschwung beim Städtetourismus gekommen. Kärnten hat unter den Veränderungen am stärksten gelitten.

Mit 131,02 Millionen Nächtigungen erzielte der heimische Tourismus im Vorjahr einen neuen Höchstwert. Das waren um 4,0 Prozent mehr als 2011 und um rund 600.000 Nächtigungen mehr als im bisherigen Rekordjahr 1992, teilte die Statistik Austria am Dienstag mit.

Seit 1992 kam es bei ausländischen Gästen zu einem Nächtigungsminus von 4,71 Millionen, das durch das Plus von 5,31 Millionen inländischen Urlaubern mehr als ausgeglichen werden konnte. Die Nächtigungen ausländischer Touristen nahmen jährlich um durchschnittlich 0,2 Prozent ab, jene der inländischer Gäste dagegen um 0,8 Prozent zu.

Der Anteil der Sommermonate Juli und August an den Nächtigungen ist in den letzten zwanzig Jahren von 33,2 Prozent auf 25,0 Prozent gesunken, während die Bedeutung der Wintermonate Jänner und Februar von 19,1 Prozent auf 23,9 Prozent gestiegen sind.

Bei den Nächtigungen deutscher Gäste ist ein deutlicher Rückgang zu erkennen. 1992 waren es noch fast 65 Millionen deutsche Gästenächtigungen, 20 Jahre später nur mehr knapp 50 Millionen, also um rund ein Viertel weniger. Auch anderer traditionell starke Herkunftsländer verloren deutlich, etwa Großbritannien (-22 Prozent), Italien (-19 Prozent), Frankreich (-36 Prozent), die USA (-16 Prozent) oder Schweden (-42 Prozent). Deutlich zugelegt haben dagegen die Niederlande (+4,3 Prozent), Schweiz (+46 Prozent) und Dänemark (+56 Prozent).

Die höchsten Zuwachsraten erreichten jedoch Gästenächtigungen aus den osteuropäischen Ländern. Ihr Anteil an den gesamten Ausländernächtigungen verfünffachte sich zwischen 1992 und 2012 von 2,1 Prozent auf 10,8 Prozent bzw. von 765.000 auf 2,5 Millionen Nächtigungen. Nächtigungszahlen von Gästen aus Tschechien erhöhten sich um 610 Prozent, aus Ungarn um 160 Prozent, aus Polen um 390 Prozent und aus Rumänien um 1.113 Prozent. Gäste aus dem asiatischen Raum konnten ihren Nächtigungsanteil von 0,6 auf 1,9 Prozent verdreifachen.

Zu einen regelrechten Boom kam es zwischen in den vergangenen beiden Jahrzehnten beim Städtetourismus (Landeshauptstädte und Wien). Hier stiegen die Nächtigungen um 60,2 Prozent auf 18,84 Millionen. Ihr Anteil an den gesamten Nächtigungen erhöhte sich um 5,4 Prozentpunkte auf 14,4 Prozent. Die Bettenkapazität stieg von 78.000 auf 101.000 Betten. Dagegen verringerte sich die Bettenkapazität in Gesamtösterreich von 1,15 auf 1,09 Millionen Betten.

Durch den Ausbau des qualitativ hochwertigen Bettenangebotes in 5- und 4-Sterne-Hotels um 73 Prozent nahmen die Nächtigungen in diesen Häusern überdurchschnittlich um 87 Prozent auf 46,8 Millionen zu. Die Nächtigungen in 3-Sterne-Betrieben gingen dagegen um 4,2 Prozent zurück - im selben Ausmaß wie das Bettenangebot. Nächtigungen in Privatquartieren brachen um 66,7 Prozent ein, das Bettenangebot verminderte sich um 61 Prozent. Private Ferienhäuser/-wohungen gewannen 16,3 Prozent dazu, das Bettenangebot stieg hier um 44 Prozent.

Wien verzeichnete seit 1992 mit einem Nächtigungsplus von 78 Prozent den größten Zuwachs, gefolgt vom Burgenland (+30 Prozent), der Steiermark (+17 Prozent), Niederösterreich (+6,3 Prozent) und Salzburg (+1,2 Prozent). Vorarlberg (-3,4 Prozent), Tirol (-3,5 Prozent), Oberösterreich (-11,6 Prozent) und besonders stark Kärnten (-28 Prozent oder -4,9 Millionen) hatten 2012 deutlich weniger Nächtigungen als 1992. Kärnten konnte 2012 aber mit 12,6 Mio. Nächtigungen seinen dritten Platz hinter Tirol (44,3 Mio.) und Salzburg (25,2 Mio.) knapp vor Wien (12,3 Mio.) verteidigen.

Kärnten hatte als einziges Bundesland auch weniger inländische Nächtigungen als vor zwanzig Jahren, während Wien die Zahl fast verdreifachen konnte. Auch bei den ausländischen Gästenächtigungen waren die relativen Zuwächse mit 65,4 Prozent in Wien am höchsten, gefolgt von der Steiermark mit 10,7 Prozent. In allen anderen Bundesländern war der Ausländertourismus rückläufig, am geringsten in Salzburg mit -1,1 Prozent, am höchsten in Kärnten mit -35,8 Prozent.

(Schluss) ggr/kre

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