18.08.2016 11:16:00
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Semperit-Chef Fahnemann: "Wir müssen richtig kämpfen"
Im Bereich Industrie - Semperit stellt etwa Hydraulikschläuche für Traktoren her - sei das Umfeld in den ersten sechs Monaten 2016 "sehr herausfordernd" gewesen. Der Sektor Landwirtschaftsmaschinen, auf dem Semperit große Kunden hat, sei beispielsweise um 15 bis 20 Prozent geschrumpft, bedingt durch die niedrigen Nahrungsmittelpreise, so Fahnemann zur APA. Der Bereich Spezialkräne wiederum laufe nicht so schlecht.
Insgesamt ist Fahnemann daher mit der operativen Entwicklung im Industriesektor, der etwa 60 Prozent des Geschäfts ausmacht, "durchaus zufrieden. Wir haben Marktanteile dazugewonnen und haben uns gut geschlagen, was die Margen betrifft."
Auch Sempertrans - zum Beispiel Förderbänder für den Kohle- und Eisenerzabbau - habe die Marktanteile gesteigert. Jedoch sei der Kohlepreis derzeit auf sehr niedrigem Niveau und der Sektor trete auf die Sparbremse. Mit dem Handläufe-Geschäft für Rolltreppen ist Fahnemann hingegen zufrieden.
Eine Delle gab es im Medizinhandschuhbereich. Der Markt wachse zwar weltweit weiterhin um fünf Prozent, jedoch hätten sich die Produktionskosten in Malaysia, wo mehr als die Hälfte aller Gummihandschuhe hergestellt werden, deutlich erhöht. Besonders Gas und Strom hätten sich verteuert. "Das konnten wir nicht weitergeben. Es gab Margenverschlechterungen, auch bei unseren Wettbewerbern", so Fahnemann.
Sempermed hat nach wie vor an der juristischen Front zu kämpfen. Das Joint Venture mit dem thailändischen Konzern Sri Trang werde "immer schwieriger". Die Geschäftspartner streiten seit Jahren; Semperit hat insgesamt drei Schiedsverfahren in Zürich angestrengt. "Alle bisher verhandelten Themen haben wir gewonnen", so Fahnemann. Bis sämtliche Streitthemen abgehandelt sind, werde es aber noch dauern - wahrscheinlich bis ins erste oder zweite Quartal 2017.
Zusätzlich werden einige Themen bei lokalen Gerichten in Thailand ausgefochten, sagte Fahnemann. In Österreich läuft zudem ein Verfahren der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Es geht um eine Jahrzehnte alte Vereinbarung zwischen Semperit und seinem Partner über die exklusive Vermarktung der Gummihandschuhe. "Unser Partner zweifelt an, dass die Vermarktung der Handschuhe exklusiv bei uns liegt. Das ist in vielen Joint Ventures so", erläuterte der Konzernchef.
Dass Semperit im ersten Halbjahr heuer unterm Strich deutlich weniger Gewinn gemacht hat, liegt auch an Sondereffekten. Zum einen fielen heuer keine so positiven Währungseffekte wie im Vergleichszeitraum 2015 an, zum anderen musste Semperit Steuern nachzahlen bzw. haben sich die latenten Steuern verändert. Steuerthemen gab es laut Fahnemann zum Beispiel in Indien und Polen. "Das ist nicht schön, aber passiert immer wieder." Fahnemann geht davon aus, dass die Steuerquote im zweiten Halbjahr wieder auf das übliche Niveau sinkt.
Der EU-Austritt der Briten (Brexit) war für Semperit kein großes Thema. "Wir haben keine Produktionsanlagen in England. Vor der Entscheidung haben wir mal unsere Währungen bereinigt und alles, was in britischen Pfund war, rausgegeben." Persönlich finde er den Brexit nicht gut, "geschäftlich merkt man's überhaupt nicht." Semperit verkauft seine Produkte auch auf den britischen Inseln, hat aber "kein großes Exposure".
Die Vorwürfe bezüglich der Arbeitsbedingungen im Joint Venture Siam Sempermed wies Fahnemann erneut zurück. Die Kritik, die die finnische NGO Finnwatch geäußert hatte, habe "teilweise nicht den Tatsachen entsprochen". Vor allem gegen den Vorwurf, Minderjährige zu beschäftigen, verwehrt sich Fahnemann. "Kinderarbeit gab es nicht, gibt es nicht und wird es nicht geben."
Puncto Arbeitszeit halte man sich an die örtliche Gesetzgebung. "In Thailand haben wir keine 36-Stunden-Woche", so Fahnemann. "Wir arbeiten auch mit Gastarbeitern aus Myanmar oder Nepal, die für ein, zwei Jahre dort sind. Die möchten gerne länger arbeiten", so der Semperit-Boss.
Aus seiner Sicht ist das Thema Finnwatch-Vorwürfe "erledigt", zumal Semperit nun als einer der wenigen Handschuhproduzenten von einem der zwei großen Zertifizierungsanbieter (Business Social Compliance Initiative, BSCI) auditiert sei.
Der Ausblick fürs Gesamtjahr 2016 fällt verhalten aus. "Im Moment sehen wir keine großen Impulse, dass sich die Marktsituation verbessert. Es ist enorm schwierig, eine Aussage zu machen", so Fahnemann. Die Auftragslage im Industriebereich sei "nicht schlecht", und in Malaysia fahre man gerade die modernste und größte Handschuhfabrik hoch. Wachsen will Semperit hauptsächlich organisch, wenngleich man sich Zukäufe immer ansehe. Spruchreif sei aber derzeit nichts. Die Zahlen für 2015 zu erreichen, werde schwierig.
(Schluss) snu/itz
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