16.05.2014 12:07:47

ROUNDUP: Tui-Chef will mit mehr eigenen Hotels und Schiffen punkten

HANNOVER (dpa-AFX) - Tui-Chef (TUI) Fritz Joussen schaltet gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt von Sanierung auf Wachstum um. Mehr eigene Hotels und weitere Kreuzfahrtschiffe sollen dazu führen, dass im umkämpften Urlaubsmarkt mehr Geld bei Europas größtem Reisekonzern hängen bleibt. Eine neue Hotelmarke mit bis zu 50 Häusern ist in Arbeit, die Riu-Gruppe und die Robinson Clubs sollen in den kommenden Jahren deutlich wachsen. "Wir müssen mehr Kunden in unsere eigenen Produkte schicken", sagte Joussen am Freitag in Hannover. Wenn der Umsatz in diesem Jahr schwächer steigen als geplant, ist das für ihn kein Drama: Entscheidend sei der Gewinn, und da sei er optimistisch.

Obwohl der Konzern seinen saisontypischen Winterverlust deutlich eingedämmt hatte, reagierte die Tui-Aktie dennoch mit einem Kursrutsch auf die Nachrichten. Am Vormittag verlor das Papier 1,49 Prozent auf 11,885 Euro und gehörte damit zu den schwächsten Werten im MDAX.

Die Kunden der eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffe bringen Tui laut Joussen ein Vielfaches des freien Bargeld-Zuflusses, den die reine Vermittlung einer Reise an fremde Häuser abwirft. Die Zahl dieser Urlauber will Joussen von derzeit 5 Millionen auf 10 Millionen pro Jahr steigern. Die Zahl der Robinson Clubs soll von 24 auf bis zu 40 wachsen. Die mit Tui verbandelte spanische Riu-Gruppe soll jeweils 3 bis 5 Hotels neu errichten. Ende Mai wird das 104. Riu-Haus eröffnet.

Von den 108 übrigen Hotels des Konzerns, die unter Marken wie Iberotel, Grecotel und Grupotel laufen, will Joussen einige auf die künftige Tui-Marke umflaggen. Neue Hotels werde der Konzern kaum errichten. "Die Häuser gibt es schon", sagte Joussen. Wie bei den Robinson Clubs setzt er dabei verstärkt auf selbstständige Hotelbetreiber oder Managementverträge, so dass Tui die Hotels nicht selbst erwerben muss. Für die Details der Strategie sollen sich Tui-Aktionäre und Kunden bis September gedulden.

Bei den Kreuzfahrten baut Joussen weiter auf die junge Marke Tui Cruises. Deren Flotte soll in den kommenden Jahren von derzeit zwei auf bis zu acht Schiffe wachsen. Die Schiffe Nummer drei und vier sind bereits im Bau, eines wird im Juni getauft. Die traditionsreiche Tochter Hapag-Lloyd Kreuzfahrten will Tui im kommenden Geschäftsjahr zunächst in die schwarzen Zahlen bringen.

Im Winter zahlte sich für Tui der eingeleitete Sparkurs aus. Nach der teuren Bilanzsanierung ein Jahr zuvor sank der auf die Aktionäre entfallende saisontypische Nettoverlust im zweiten Geschäftsquartal bis Ende März um 51 Prozent auf 122 Millionen Euro. Für das gesamte Winterhalbjahr reduzierte sich das Minus um gut 40 Prozent auf 231 Millionen Euro. Durch die jüngsten Kürzungen in der Konzernzentrale seien die dortigen Kosten um 30 Prozent gesunken, hieß es.

Im operativen Geschäft machten sich die späten Osterferien negativ bemerkbar, die in diesem Jahr erst im April stattfanden. Der Umsatz sank in den sechs Monaten bis Ende März ist um vier Prozent auf knapp 6,6 Milliarden Euro. Der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Unternehmenswerte (bereinigtes Ebita) wuchs um zwei Prozent auf 346 Millionen Euro.

Joussen bekräftigte sein Ziel, das bereinigte Ebita im laufenden Geschäftsjahr um 6 bis 12 Prozent zu steigern. Die Konzentration auf mehr exklusive Produkte könnte die Zahl der Urlauber jedoch sinken lassen. Beim Umsatz peilt der Vorstand daher nur noch das untere Ende der ausgegebenen Spanne von 2 bis 4 Prozent an. "Nicht profitable Umsätze brauchen wir nicht", sagte Joussen./stw/zb/fbr

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