27.07.2022 20:30:39
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OTS: Börsen-Zeitung / Globale Puffer, Kommentar zur BASF von Sabine Wadewitz
Globale Puffer, Kommentar zur BASF von Sabine Wadewitz
Frankfurt (ots) - Es mutet geradezu leichtsinnig an, wenn ein europäischer
Chemieanbieter in Zeiten von Gasknappheit, Energiepreisschocks und
Rezessionsangst die Umsatzprognose deutlich erhöht und sich für die
Ergebnisentwicklung zuversichtlicher zeigt. Doch das Management der BASF scheint
die Bodenhaftung nicht verloren zu haben.
Der Konzern hatte die erste Prognose für 2022 gestellt, als Russland gerade den
Angriffskrieg auf die Ukraine gestartet hatte. Nachdem das Geschäft im ersten
Halbjahr nun erfolgreich verlaufen ist, kann BASF getrost nachlegen. Die
Nachfrage ist stabil, höhere Rohstoffkosten können somit an die Kunden
weitergereicht werden. Mehr als die Hälfte des angepeilten Jahresumsatzes und
mehr als 70 Prozent des erwarteten Ergebnisses hat der Konzern in den ersten
sechs Monaten bereits im Kasten.
BASF kommt in der extrem angespannten Lage in Europa zugute, dass der Konzern
über seine globale Präsenz verschiedene Puffer hat, die für Stabilität sorgen.
Die Gruppe produziert in größerem Umfang auch in Regionen, wo Energie- und
Rohstoffkosten deutlich niedriger sind als in Europa. Das verschafft
Ausweichoptionen, falls die Gasknappheit an europäischen Standorten dazu zwingt,
Kapazitäten zu drosseln. Begründete Hoffnung hat der Konzern auch, dass sich das
Geschäft in China wieder belebt - speziell mit der Automobilindustrie als einer
der wichtigsten Kundengruppen.
BASF legt die Risiken offen. Als größter industrieller Gasverbraucher in
Deutschland wäre der Konzern ins Mark getroffen, wenn sich die Versorgungslage
extrem verschlechtern würde. Als systemrelevanter Produzent am Anfang fast aller
Wertschöpfungsketten bekommt die Chemieindustrie derzeit aber viel politische
Aufmerksamkeit und darf auf Sonderbehandlung in der Gaszuteilung hoffen.
Baustelle bleibt Wintershall Dea, wo BASF ihren Investoren den Ausstieg zugesagt
hat, ein IPO aber in derzeitiger geopolitischer Lage nicht möglich ist. Für die
notwendige Trennung von den russischen Assets der Öl- und Gastochter gibt es
keine einfache Lösung, weil weder westliche Wettbewerber noch sanktionierte
russische Adressen zugreifen werden. Immerhin dürfte ein wesentlicher Teil der
Assets mit Staatsgarantien abgesichert sein.
Operativ ist Wintershall für BASF derzeit keine Belastung, im Gegenteil. Die
Beteiligung hat im Quartal knapp 450 Mill. Euro zum Ergebnis beigetragen - das
sind 17 Prozent des Bruttogewinns und mehr als die Hälfte der zusätzlichen
Gaskosten. Das natürliche Hedging funktioniert in Krisenzeiten wieder.
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