08.04.2014 20:52:47

OTS: Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Zur Sache bitte! Kommentar zum IWF von ...

Börsen-Zeitung: Zur Sache bitte! Kommentar zum IWF von Mark Schrörs

Frankfurt (ots) - Wenn ein Jubilar seinen 70. Geburtstag

zelebriert, gibt es meist viele warme Worte und Geschenke. Im Fall

des Internationalen Währungsfonds (IWF), der wie die Weltbank dieses

Jahr 70 wird, ist das etwas anders: Vor der IWF-Frühjahrstagung Ende

dieser Woche gab es zuletzt vor allem seitens einiger

Euro-Notenbanker beißende Kritik am Fonds, und so mancher von ihnen

reist mit einigem Frust statt Geschenken nach Washington.

Schuld daran ist die Debatte, ob der Eurozone eine Deflation droht

und die EZB alle Geldschleusen öffnen sollte. IWF-Chefin Christine

Lagarde und EZB-Präsident Mario Draghi haben sich in der Frage gar

öffentlich beharkt. Das ist nicht gut und beide Seiten sollten die

Sache nicht weiter eskalieren - sonst nehmen am Ende alle Schaden.

Der IWF attestiert der Eurozone ein erhebliches Risiko einer

Deflation - so steht es auch im neuen Weltwirtschaftsausblick. Das

schmeckt nicht jedem, und es gibt tatsächlich vieles, was gegen diese

Einschätzung spricht. Der IWF ist aber eine, wenn nicht die

wichtigste Institution der Weltwirtschaft und nach der Krise

zusehends als Frühwarnsystem gefragt: Es ist sein gutes Recht, zu

warnen. Genauso richtig ist aber, dass er die Weisheit nicht mit

Löffeln gegessen hat. Eine interne Untersuchung hat jüngst ergeben,

dass er mit seinen Prognosen - wie andere auch - öfter mal

danebenliegt.

Auf der anderen Seite haben die Euro-Währungshüter jedes Recht auf

eine andere Sicht der Dinge. Es gibt viele gute Gründe dafür, warum

die Inflation aktuell niedrig ist, und dagegen, dass das ein Vorbote

einer Deflation ist. Richtig ist aber auch, dass der IWF etwa das

Ausmaß der Finanzkrise früh erahnt hatte. Es macht deshalb nun Sinn,

sich den Argumenten des IWF in Sachen Deflation zu stellen und sie zu

entkräften, statt die Einwürfe etwas dünnhäutig abzutun.

Beide Seiten sollten sich nun auf jeden Fall darauf besinnen, was

den IWF auch gegenüber anderen internationalen Organisationen

auszeichnet: die sachliche Zusammenarbeit. Sonst drohen nicht nur

beide an Reputation einzubüßen. Es bestünde auch die Gefahr, dass die

Fortschritte, die es - bei allen bestehenden Risiken - im Euroraum

eben auch gibt, überschattet werden. Daran kann keinem gelegen sein.

Zudem drohte der Streit zu verdecken, dass es auch andernorts

Probleme und Risiken gibt: in vielen Schwellenländern, in Japan, aber

auch in den USA. Den Verantwortlichen dort würde das zupasskommen.

Aber sie dürfen nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Es gibt

noch viel zu tun, ehe die Weltwirtschaft aufatmen und feiern kann.

OTS: Börsen-Zeitung

newsroom: http://www.presseportal.de/pm/30377

newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung

Redaktion

Telefon: 069--2732-0

www.boersen-zeitung.de

Eintrag hinzufügen
Hinweis: Sie möchten dieses Wertpapier günstig handeln? Sparen Sie sich unnötige Gebühren! Bei finanzen.net Brokerage handeln Sie Ihre Wertpapiere für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade? Hier informieren!
Es ist ein Fehler aufgetreten!