15.03.2018 20:36:40

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Börsen-Zeitung: Vorsichtsprinzip, Kommentar zum Rückversicherer Munich

Re von Stefan Kroneck

Frankfurt (ots) - Elf Monate nach dem Amtsantritt von Joachim

Wenning an der Spitze der Munich Re gewinnt dessen Strategie deutlich

an Kontur. Reagierten die Anleger im August 2017 zur Vorlage der

Halbjahreszahlen noch vergrätzt auf seine seinerzeit unpräzisen

Aussagen, können sich die Investoren nach der Bilanzvorlage vom

Donnerstag nun ein Bild darüber machen, wohin die Reise des größten

Rückversicherers der Welt gehen soll. Wennings Ausblick weckte am

Markt die Hoffnung, dass die operativ miserablen Zeiten sich dem Ende

zuneigen, wie das Kursplus von fast 3% veranschaulichte.

Dennoch kann beim Branchenprimus von Euphorie keine Rede sein. Das

Gewinnziel für 2018 von bis zu 2,5 Mrd. Euro ist zwar relativ solide,

es zeigt aber, dass auch der neue CEO das traditionelle

Vorsichtsprinzip der Munich Re verinnerlicht hat. Wie sein

Amtsvorgänger Nikolaus von Bomhard hält er den Ball flach, wenn es

darum geht, die Anleger mit Prognosen zu versorgen.

Die bescheidene Vorgabe von 2,8 Mrd. Euro für 2020 verdeutlicht

das, entspräche es doch nur einem Ergebniszuwachs von 300 Mill. Euro

binnen drei Jahren. In besseren Zeiten erwirtschaftete die

Gesellschaft 3,3 Mrd. Euro nach Steuern (2013). Das Zinstief und der

harte Preiswettbewerb in der Branche fressen sich durch die

Erfolgsrechnung. Die erwarteten Kosteneinsparungen infolge des

Personalabbaus im Kerngeschäft können diese negativen Effekte etwas

abmildern. Die Munich Re übt sich daher in Bescheidenheit, lautet

doch Wennings Devise, dass deutlich mehr als "2 Mrd. Euro plus" bis

auf Weiteres nicht möglich sind.

Allerdings verfügt der Konzern aufgrund seiner krisenfesten

Bilanz über ausreichend Hebel, das Ergebnis deutlicher zu steigern,

als die Zielwerte suggerieren. Mit aufgelösten Schadenrückstellungen

im Kerngeschäft im Umfang mehrerer hundert Millionen Euro gelang es,

so manche Jahresbilanz aufzubessern. Das wird die Munich Re auch

künftig tun. Zugleich könnte die langsame Erholung an den Märkten

infolge der US-Zinswende künftig Rückenwind für die

Kapitalanlageergebnisse bringen.

Wie wackelig Vorgaben aber sind, zeigte sich 2017, als die Munich

Re nach nur sechs Monaten ihre Prognose wegen der verheerenden

Hurrikan-Großschäden kassierte. Eine Aussage darüber, wie es um die

Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios 2018 steht, wagt der

Vorstand nicht. Die Entwicklung der Großwetterlage in der Karibik im

Spätsommer wird zeigen, ob Wennings Ziele sich als Wunschdenken

entpuppen oder auf einer soliden Basis stehen.

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