01.04.2014 20:47:48

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Börsen-Zeitung: Ins Visier geraten, Kommentar zum Hochfrequenzhandel

von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Es ist eine überaus gelungene Werbekampagne: Der

amerikanische Bestseller-Autor Michael Lewis hat unter starker

Beachtung der US-Medien sein neues Buch über den Hochfrequenzhandel

mit Aktien vorgestellt. Der Medienrummel ist trotz des komplexen und

sperrigen Themas so stark, dass sich das US-Bundeskriminalamt Federal

Bureau of Investigation (FBI) und der Generalstaatsanwalt von New

York veranlasst sahen, der Öffentlichkeit zu versichern, sie

ermittelten in der Sache.

Damit ist der Hochfrequenzhandel, der in den USA inzwischen mehr

als 60% des Handelsvolumens ausmacht, nicht mehr nur an der Wall

Street ein Thema. Er ist in der Mitte der amerikanischen Gesellschaft

angekommen, wo er - weil Amerikaner für ihre Altersversorgung auf das

Wertpapiersparen angewiesen sind - als Bedrohung empfunden wird. Der

Druck auf die Behörden, diese Geschäfte zu verbieten oder zumindest

stark einzuschränken, hat enorm zugenommen.

Was den Hochfrequenzhändlern vorgeworfen wird, ist letztlich eine

Art Front-Running. Diese Firmen erhalten Informationen über Orders

einen Sekundenbruchteil früher als alle anderen Marktteilnehmer. Sie

können sich mit Hilfe ultraschneller Datenleitungen und Server

zwischen Käufer und Verkäufer stellen und so auf Kosten der anderen

Marktteilnehmer sichere Gewinne einstreichen: Wie der große

US-Hochfrequenzhändler Virtu in den Unterlagen für seinen Börsengang

eingesteht, hat er in den vergangenen fünf Jahren bis auf einen Tag

während jeder Börsensitzung Gewinn gemacht. Ein großer US-Hedgefonds

gibt an, er allein büße durch Hochfrequenzhändler pro Jahr 300 Mill.

Dollar ein.

Ob die Hochfrequenzhändler mit strafrechtlichen Konsequenzen

rechnen müssen, ist allerdings fraglich. Denn im Gegensatz zum

klassischen Front-Running beispielsweise eines Börsenmaklers, der von

den Orders seiner Kunden profitiert und diese damit eindeutig

betrügt, verwenden Hochfrequenzhändler öffentlich zugängliche

Informationen. Sie sind lediglich in der Lage, diese Information sehr

viel rascher und effektiver auszunutzen als andere Investoren.

Somit sind die US-Aufsichtsbehörden gefragt, sich des Themas

anzunehmen und die Waffengleichheit der Anleger wieder herzustellen.

Dazu bedarf es aber des konstanten Drucks der

Investorenöffentlichkeit, weil mächtige Interessengruppen wie die

US-Großbanken und die Börsenbetreiber vom Hochfrequenzhandel

profitieren. Es ist noch völlig offen, wer sich in dem Streit

letztlich durchsetzt.

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