20.09.2016 20:49:40

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Börsen-Zeitung: Frohe Kunde, Kommentar zum Finanzierungsbedarf des

Bundes von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Das ist eine gute Nachricht aus Berlin für alle

Steuerzahler: Vater Staat braucht weniger Geld und wird deshalb im

vierten Quartal die Geld- und Kapitalmärkte weniger stark

beanspruchen, als das bisher laut Jahresplanung vorgesehen war. Die

Emissionen von Schuldpapieren sinken um insgesamt 7 Mrd. Euro. Das

sind bezogen auf das gesamte Emissionsvolumen in diesem Jahr zwar nur

gute 3% - aber immerhin stimmt die Richtung. Es ist bereits die

zweite Anpassung nach unten bei den Emissionen in diesem Jahr, und

sie fällt volumenmäßig auch größer aus als die für das dritte

Vierteljahr. Das lässt für die Jahresvorausschau hoffen. Sollte die

gute Haushaltslage, die auch jetzt der Grund ist für die Kürzungen

der Emissionen, sich bis in den Dezember fortsetzen und sollten sich

auch für 2017 keine außerordentlichen Belastungen für den

Bundeshaushalt abzeichnen, könnte die Deutsche Finanzagentur - der

Bund-Schuldenmanager - vielleicht die frohe Kunde verbreiten, dass

der Bund mit deutlich weniger als 200 Mrd. Euro im nächsten Jahr

auskommen kann. In Bezug auf die nominalen Papiere ist er ja schon

unter diese Marke gerutscht.

Die Anpassungen des Emissionsmusters nimmt die Finanzagentur, die

für umsichtiges und verlässliches Auftreten am Kapitalmarkt bekannt

ist, wiederum sehr marktschonend vor. Der Löwenanteil der Reduktion

entfällt auf die kurzlaufenden Geldmarktpapiere - immerhin sechs der

sieben gekürzten Milliarden. Nur ein Kapitalmarktinstrument wird

angetastet, diese Titel sind für mittel- und langfristig agierende

Fixed-Income-Investoren bekanntermaßen wichtiger. Die betroffenen

Papiere sind allesamt nicht Gegenstand des Kaufprogramms der

Europäischen Zentralbank (EZB). Sie kauft keine Geldmarktpapiere, und

die fünfjährige Bundesobligation, deren Volumen um 1 Mrd. Euro

reduziert wird, kommt wegen der tiefer als minus 0,4% liegenden

Rendite nicht für EZB-Käufe in Frage - bislang zumindest.

Prinzipiell wirkt eine derartige Angebotsverringerung immer auch

auf die Renditestrukturen am Markt, zumal wenn sich in den kommenden

Wochen womöglich abzeichnet, dass 2017 mit weniger Anleihen gerechnet

werden darf, d.h. weniger mittel- und langfristigen

Kapitalmarktpapieren. Denn die Käufe der EZB gehen weiter, und

institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Versicherer stehen

vor einem weiterhin hohen Anlagedruck. Dieser Anlagebedarf trifft auf

weniger Bondangebot. Für die Renditen heißt das: Die Niedrigsätze

bleiben erhalten.

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