22.01.2015 16:54:00

Brezinschek zweifelt EZB-Bondkäufe an: Welche Bank soll die abstoßen?

Für RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek stehen hinter dem EZB-Anleihenkaufprogramm etliche Fragezeichen. Vor allem sei unklar, woher die Bonds in großem Umfang kommen sollten - die Banken würden sie nicht hergeben, wenn sie dafür Geld bekämen, dass sie dann mit Strafzinsen bei der EZB parken müßten. Das Bondprogramm bestrafe klassische Universalbanken und belohne riskant agierende Investmenthäuser.

"Warum sollen sich Banken von mit 0,5 Prozent verzinsten Anleihen trennen, und das Geld liegt dann auf einem Zentralbankkonto und wird mit 0,2 Prozent Strafzins belegt?", gab Brezinschek am Donnerstag im APA-Gespräch zu bedenken. Zudem gebe es Staatsanleihen gar nicht in so hohem Volumen bei den Geldinstituten - und wenn, dann würden sie zur Besicherung benötigt, etwa um Zentralbankgeld zu erhalten.

Das Bondprogramm - die Rede ist ja von monatlich 60 Mrd. Euro bzw. in Summe bis zu 1.140 Mrd. Euro bis September 2016 - grenze schon an einen "Bluff" und nehme keine "Rücksicht darauf, dass woanders vielleicht wieder Risse entstehen". Dass sich die Finanzierungskonditionen für Private und Firmen jetzt verbessern sollten, wie EZB-Chef Mario Draghi argumentiere, könne er nicht nachvollziehen - auch werde dadurch nicht mehr Geld in der Realwirtschaft ankommen.

Denn weil das klassische Kreditgeschäft weniger lukrativ werde, bestrafe das Bondprogramm klassische Universalbanken und belohne Investmentbanken. "Das ist systemisch eine sehr gefährliche Situation, weil die, die riskanter agieren, belohnt werden", warnt Bezinschek. Zum Ankurbeln der Kredite wäre vielleicht sogar eine Anhebung der Zinsen besser, meint er. Denn wenn man dezidiert sage, das Zinstief sei vorbei, könnte es vielleicht eher einen Andrang nach Krediten geben.

Zum Anleihenkauf habe die EZB jetzt mit der Betonung eines "Investment Grade" zwar das Hellas-Problem umschifft - für Portugal und das kleine Zypern ist das für Brezinschek aber noch unklar. Offenbar wolle die EZB einigen Regierungen "entgegenkommen, damit sie mehr Zeit für Reformen haben". Das gelte primär für Frankreich, auch Italien und teils auch für Griechenland, wo Renten- und Arbeitsmarktreform sowie Privatisierungen aufgeschoben worden seien. So wie in Griechenland Syriza in die Schranken gewiesen werden sollte, stelle wegen ihrer Reformfeindlichkeit auch die Podemas-Bewegung in Spanien eine Gefahr dar.

Anders als Draghi sehe er keine abwärtsgerichtete Inflations-Dynamik, und die Geldmenge M3 hätte sich auch ohne QE weiter nach oben entwickelt, so Brezinschek. "Auch wenn Öl billigt bleibt, werden wir kommendes Jahr - 2016 - eine zunehmende Teuerungsrate von über einem, also zwischen ein und zwei Prozent sehen." Denn der inflationsdämpfende Effekt durch den seit Sommer gesunkenen Rohölpreis werde bis Ende 2015 vorbei sein. Ohne Öl wäre die Eurozonen-Inflation im vergangenen Dezember nicht bei -0,2, sondern bei +0,7 Prozent gelegen. Die Inflations-Nachfrage-Argumentation Draghis überzeuge ihn nicht.

Für 2015 sei eine weitere Talfahrt des Euro bereits vorprogrammiert. Denn die US-Notenbank Fed werde spätestens zu Ende des zweiten Quartals mit Zinserhöhungen starten und diese rasch in 0,25er-Schritten vornehmen, "sodass wir Ende des Jahres bei 1,25 bis 1,5 Prozent in den USA stehen werden", meinte der Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI).

Die Jo-Jo-Bewegung an den Börsen - "rauf, runter, rauf" - verwundert Brezinschek nicht. Ja, auch Aktien könnten vielleicht profitieren, "denn irgendwo muss das Zentralbankgeld ja hin". An den Aktienmärkten könnte aber auch die Bildung einer "Riesen-Blase" drohen, wenn nämlich die Kurse stärker als die Unternehmensgewinne steigen. Doch auch Immobilien und Energie könnten Profiteure sein. Die Anleihezinsen freilich würden extrem niedrig bleiben, glaubt Brezinschek, "denn wohin soll man mit dem Geld?".

(Schluss) sp/ggr

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