03.12.2014 15:08:48
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Börse Frankfurt-News: Öl immer billiger (Rohstoffe)
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 3. Dezember 2014. Der Ölpreis fällt und fällt, der Goldpreis bleibt angeschlagen. Mit Palladium und Nickel lagen Anleger 2014 aber genau richtig.
Vier Wochen vor Silvester ist bereits klar: Auch 2014 war für Rohstoffanleger kein gutes Jahr. Auffälligster Verlierer ist Öl. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ist seit Anfang Januar um über ein Drittel gefallen. Für Goldinvestoren lief es nur die ersten Monate rund, seit dem Jahreshoch bei 1.387,68 US-Dollar je Feinunze im März hat Gold um 13 Prozent an Wert verloren. Der ETFS All Commodities (WKN A0KRKC), der die Wertentwicklung aller Rohstoffe widergibt, liegt seit Jahresanfang um 7,6 Prozent im Minus.
Brent zwischenzeitlich auf Fünfjahrestief
Dass die Opec vergangene Woche beschloss, die Produktion nicht zu drosseln, hat die Ölnotierungen abermals unter Druck gesetzt, der Brent-Preis fiel zwischenzeitlich auf unter 70 US-Dollar je Barrel - den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Am heutigen Mittwoch liegt der Preis bei 70,94 US-Dollar. Zum Vergleich: Im Juni waren es noch über 115, Ende Oktober immerhin noch 86 US-Dollar. Die Ablehnung der Produktionskürzung sei der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, kommentiert Ole Hansen von der Saxo Bank. "Ein solcher Monatskollaps bei der Sorte Brent ist seit 1988 nur vier Mal vorgekommen."
Viele ETC-Anleger wurden mit der Opec-Entscheidung auf dem falschen Fuß erwischt: In Erwartung einer Reduzierung der Fördermenge hatten sie nämlich ihre Ölpositionen ausgebaut, wie Bernhard Wenger von ETF Securities erklärt.
Kein Dauerzustand
"Nach Einschätzung unseres Research wird die Opec mittelfristig nicht darauf verzichten, den Ölpreis zu unterstützen", ergänzt Wenger. Denn viele der Mitgliedsländer des Kartells benötigten einen Kurs von mindestens 100 US-Dollar pro Barrel, um ihren Staatshaushalt auszugleichen. Das sieht auch Axel Herlinghaus von der DZ Bank so: "Die Opec kann das nicht auf Dauer durchhalten." Die US-amerikanische Schieferölindustrie, die Opec-Mitglied Saudi-Arabien angeblich ausschalten will, könne mit niedrigeren Ölpreisen gut leben. "Die wächst dann höchstens nicht mehr so schnell." Die DZ Bank geht davon aus, dass die Opec auf ihrem nächsten Treffen im Juni die Produktion kürzen wird. "Bis dahin sehen wir den Brent-Preis bei 75 US-Dollar, danach bei 80 bis 85 US-Dollar."
Kaum Argumente für Gold
Gold notiert aktuell bei 1.205 US-Dollar und damit in etwa auf dem Niveau vom Jahresanfang, Euro-Anlegern kam allerdings die US-Dollar-Stärke zugute. Auch zuletzt dominierten die Abgaben. Seit 2012 haben sich die weltweiten Anlagen in Gold-ETCs ETF Securities und Bloomberg zufolge mittlerweile um rund 40 Prozent verringert. Mit Spannung erwartet worden war das Schweizer Gold-Referendum, das bei Erfolg zu Goldkäufen der Schweizer Notenbank geführt hätte. "Wie von uns erwartet, kam es nicht zu einem positiven Ausgang, die Schweizer stimmten mehrheitlich dagegen", berichtet Youn-Chong Choi von Heraeus Metals Germany. "Dies zog den Goldpreis weiter in die Tiefe."
Laut Gabor Vogel von der DZ Bank gibt es bei Gold derzeit zwei Probleme: "Die Inflationserwartungen bleiben niedrig, und die Aktienmärkte sind stabil." Solange das der Fall sei, würden Anleger ihre Goldpositionen nicht ausbauen. Die DZ Bank geht daher davon aus, dass sich die Goldpreisnotierungen im Bereich 1.050 bis 1.100 US-Dollar bewegen werden. Umsatzstark präsentierten sich an der Börse Frankfurt in den vergangenen vier Wochen besonders Xetra-Gold (WKN A0S9GB), Source Physical Gold (WKN A1MECS), Gold Bullion Securities (WKN A0LP78), db Physical Gold Euro Hedged (WKN A1EK0G), ETFs Physical Gold (WKN A0N62G) und db Physical Gold (WKN A1E0HR).
Palladiumpreis steigt und steigt
Gut nachgefragt wird laut ETF Securities derzeit der ETFS Physical Palladium (WKN A0N62E), der trotz des kurzen Preisrücksetzers im September und Oktober zu den klaren Gewinnern in diesem Jahr zählt. Laut ETFS Securities wurden im Gegenzug Platinverbriefungen abgegeben. "Langfristig ist davon auszugehen, dass die Palladiumnachfrage in Autokatalysatoren 2015 sowohl in Europa als auch in China anziehen wird", meint Youn-Chong Choi. Der Platineinsatz in Dieselmotoren werde immer mehr verdrängt und durch Palladium ersetzt. "Insgesamt sinkt in Europa vor allen Dingen aber auch die Anzahl von Dieselfahrzeugen zum Vorteil von Benzinfahrzeugen." Die Vorliebe für Palladium machte sich auch an der Börse Frankfurt bemerkbar: Nach Xetra-Gold und Source Physical Gold steht der ETFS Physical Palladium auf den Umsatzlisten der vergangenen vier Wochen auf dem dritten Platz.
Nickel teurer, Kupfer günstiger
Bei den Industriemetallen ist das Bild gemischt: Fortgesetzt hat sich der Zuspruch für Nickel, seit Jahresanfang hat sich der ETFS Nickel (WKN A0KRJ4), trotz Preisrutsch im Herbst, um 24 Prozent verteuert. "Das Nickel-Angebot bleibt knapp, ebenso das Aluminium-Angebot", kommentiert Vogel.
Anders als von vielen erwartet, sei der Exportstopp Indonesiens für Nickelerze nicht aufgehoben worden. Wenger zufolge vermuten einige Investoren jetzt, dass auch die Philippinen die Ausfuhr von unbehandelten Erzen einschränken könnten. "Dies würde die Preise unterstützen." Der ETFS Nickel verbuchte bei ETF Securities vergangene Woche die höchsten Mittelzuflüsse seit Mai.
Anders sieht es bei Kupfer aus, die Jahresbilanz ist nach dem jüngsten Preisrutsch wieder klar negativ. "Kupfer ist eine reine China-Story", bemerkt Vogel. Laufe die chinesische Wirtschaft gut, sei auch Kupfer gefragt. "Wir sehen da nur moderates Potenzial." Der ETFS Kupfer (WKN A0KRJU) ist in den vergangenen zwei Wochen um über 5 Prozent gefallen, seit Jahresanfang liegt der ETC 6 Prozent im Minus.
Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 3. Dezember 2014
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