26.02.2018 20:45:40

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Börsen-Zeitung: Gratwanderung - Kommentar von Isabel Gomez zum

Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler

Frankfurt (ots) - Man könnte den Einstieg von Li Shufu bei Daimler

als Kompliment verstehen. Der Haupteigner des chinesischen

Autokonzerns Geely ist Mercedes-Fan und sieht Daimler bei

Elektromobilität gut aufgestellt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass

Daimler der einzige deutsche Autobauer ohne Ankeraktionär ist und

der Aktienkurs in den vergangenen 24 Monaten dem von BMW und

Volkswagen deutlich hinterherhinkte. So konnte sich Li Shufu für 7,3

Mrd. Euro rund 9,7% an Daimler sichern. Der Daimler-Vorstand braucht

im weiteren Umgang mit Li und Geely viel Fingerspitzengefühl. Der

Milliardär wird trotz seines zurückhaltenden Rufs einen Sitz im

Aufsichtsrat wollen, wenngleich es dazu nach Informationen der

Börsen-Zeitung noch keine Gespräche gab. Der Vorstand befasst sich

derzeit nicht nur mit der geplanten Aufspaltung in rechtlich

selbständige Einheiten, die unverändert vorangetrieben werden soll.

Die Manager feilen auch durchgehend an ihrer Strategie für

Elektromobilität und autonomes Fahren. Es ist ein Risiko, dass diese

Pläne über einen Geely-Vertreter im Aufsichtsrat zum direkten

Wettbewerber Volvo Cars gelangen könnten, der Geely gehört.

Gleichzeitig könnte Daimler Li Shufus Ansinnen nicht einfach

ignorieren oder ablehnen. Das würde dem Einstieg die Aura einer

beginnenden feindlichen Übernahme verleihen, und diesen Eindruck zu

erwecken dürfte das Letzte sein, was der Daimler-Vorstand will. Zudem

kann eine Kooperation Vorteile bringen. Auch, weil Li sehr gute

Verbindungen zur Zentralregierung in Peking nachgesagt werden. Das

führt zur zweiten Gratwanderung und der Frage, ob und wie eine von Li

gewünschte Zusammenarbeit bei E-Autos umsetzbar ist. Mercedes

arbeitet seit den neunziger Jahren mit dem Autokonzern BAIC zusammen

und ist an dessen Pkw-Sparte beteiligt. Es bestehen zwei Joint

Ventures, die künftig neben Mercedes auch die Elektromarke EQ lokal

fertigen und vertreiben. In der zweiten Kooperation mit BYD baut

Daimler den elektrischen Mittelklassewagen Denza. Diese Partnerschaft

ist jünger, die Stückzahlen sind deutlich geringer. Daneben baut

Daimler in Europa mit Renault-Nissan unter anderem den Smart. Der

verkauft sich in China gut, wird dort aber nicht gefertigt. Ihn soll

es von 2020 an zudem nur noch elektrisch geben. Für eine Kooperation

mit Geely gibt es also durchaus Ansätze. Nun gilt es den mit dem

geringsten Risiko zu identifizieren.

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